Cannabis in Marokko – verboten und doch allgegenwärtigCannabis in Marokko – verboten und doch allgegenwärtig

Marokko, das Königreich in Nordafrika, galt über Jahrzehnte hinweg als der größte Cannabis-Produzent weltweit, bis es vor einigen Jahren von Afghanistan überholt wurde. Trotzdem spült der Anbau und Handel auch heute noch mehr Geld in der Kassen als der Tourismus.

Im letzten Jahr dann passierte etwas sehr ungewöhnliches für ein muslimisches Land: es wurde ein Gesetzesentwurf vorgestellt, durch welchen zumindest medizinisches Cannabis legalisiert werden soll.

Das lukrative Geschäft mit dem Cannabisanbau

In den zerklüfteten Rif-Bergen im Norden Marokkos leben rund 80.000 Familien vom Cannabis-Anbau. Schon von weitem kann man sie hören, denn das Gras wird hier meist zu Haschisch verarbeitet, und zwar durch das Abschlagen der Hanfdrüsen und das folgende Pressen. Jeder weiß es, jeder macht es, und doch ist es eigentlich verboten.

Zwar lassen die Verfolgungsbehörden die Felder größtenteils in Ruhe, aber die Cannabis-Bauern selbst sehen sich der ständigen Gefahr einer Festnahme – oder, für viele noch schlimmer – Schutzgeldzahlungen an die örtliche Polizei ausgesetzt.

Zwar wird das „Kiff“, wie die Marokkaner ihr Cannabis nennen, schon seit Jahrhunderten in den Bergen angebaut, doch seitdem das Land 1957 Unabhängigkeit erlangte, wurde es verboten. 1974 folgte dann das totale Verbot von jeglichen Drogen, doch der Cannabisanbau wurde trotzdem eher in Ruhe gelassen. Zu hoch sind die Einnahmen, die das Land durch den Verkauf erzielt.

Um sich die Ausmaße besser vorstellen zu können: 2013 stammten 65 % des weltweit konsumierten Haschischs aus Marokko!

Das harte Leben der Cannabis-Bauern

Der Anbau ist riskant, schweißtreibend und schwierig. Trotzdem sehen viele Marokkaner es als lukrativere Alternative, denn der Anbau von Früchten oder Getreide bringt bei Weitem nicht so viel ein wie der Handel mit Gras und Haschisch. Aber wer jetzt glaubt, die Bauern würden damit reich werden, täuscht sich gewaltig. Sie verkaufen das Kilo Gras für gerade einmal etwa 8,- Dollar und machen 3000 – 4000,- Dollar im Jahr. Das gleiche Geld machen die Shops in Amsterdam und Co. mit einem Kilo Haschisch in einer guten Woche!

Wer es sich nicht leisten kann, die Behörden zu schmieren, oder wer zu erfolgreich ist und den Neid der Nachbarn auf sich zieht, landet schnell schon mal hinter Gittern. Rund 15.000 der Cannabisbauern saßen oder sitzen gerade im Gefängnis, weitere 30.000 sind zur Fahndung ausgeschrieben.

Wandel in der Drogenpolitik?

2009 versuchte der marokkanische Politiker Fouad Ali el Himma einen Gesetzesentwurf durchzubringen, durch den Cannabis als traditionelles marokkanisches Heilkraut zu rebranden statt als gefährliche Droge und stieß damit eine Debatte darüber an, ob die Bauern zu hart bestraft werden würden.

Letztes Jahr dann stellte Mehdi Bensaid, ein Abgeordneter der oppositionellen „Partei der Authentizität und Modernität“ einen Gesetzesentwurf vor, der zwar den Konsum von Cannabis immer noch unter Strafe stellen, allerdings den Anbau legalisieren würde.

Und wer würde sich um den Anbau kümmern? Natürlich der Staat. Das Cannabis könnte dann sowohl für medizinische Zwecke, als auch das Hanf für industrielle Zwecke (zum Beispiel für Textilien oder Papier) genutzt werden, eventuell könne man sogar mit europäischen oder Amerikanischen Firmen kooperieren.

Allerdings ist die Regierungspartei sehr konservativ eingestellt und protestiert heftig gegen die Vorschläge der Opposition (die übrigens dem König des Landes nahesteht). Und selbst die Bauern stehen dem Gesetzesentwurf skeptisch gegenüber, denn sie bezweifeln, das sich ihre Lage dadurch wesentlich verbessern würde.

Noch ist keine Entscheidung gefallen, man darf also weiterhin gespannt sein, wie sich das Geschäft mit dem Cannabis im Königreich Marokko entwickeln wird.