Sind Cannabis-Samen in Deutschland legalIst der Kauf von Cannabis-Samen in Deutschland legal?

Viele Nutzer medizinischen Cannabis und auch Genuss-Kiffer stellen sich oft die Frage, ob es nicht einfacher, günstiger und zudem auch sicherer wäre, sein eigenes Gras zu Hause anzubauen. Doch bevor man sich dazu entschließt, den heimischen Garten oder Keller in eine Mini-Plantage umzufunktionieren, sollte man natürlich vorher abwägen, ob dass, was man da tut auch legal ist.

Die schlechte Nachricht zuerst: ist es nicht. Man darf in Deutschland weder Cannabis-Samen für den Eigenanbau besitzen, und noch viel weniger darf man sie anpflanzen, um daraus THC-haltiges Cannabis zu ernten. Und trotzdem ist die Lage nicht ganz so eindeutig, wie es das Betäubungsmittelgesetz vorgibt. Warum das so ist, wollen wir heute genauer erläutern.

Cannabis-Samen sind seit 1998 illegal

Früher war alles besser wird so mancher Kiffer jetzt wohl sagen. Denn bis zum Februar 1998 war der Erwerb von Cannabis-Samen, selbst solchen, die zu ansehnlichen Cannabis-Pflanzen heranwachsen würden, nicht explizit verboten.

Damals hieß es:
„Cannabis (Marihuana, Pflanzen und Pflanzenteile) ausgenommen a) deren Samen“ – womit die Samen nicht zu den illegalen Substanzen gezählt wurden. Was ja auch logisch ist, denn rein wissenschaftlich gesehen enthalten die Samen nicht genug THC um selbst eine berauschende Wirkung auszulösen.

Doch 1998 kam es zu einer kleinen und doch so bedeutsamen Änderung, denn nun hieß es plötzlich

„Cannabis (Marihuana, Pflanzen und Pflanzenteile) ausgenommen a) deren Samen, sofern nicht zum unerlaubten Anbau bestimmt“.

Und da man in Deutschland nun einmal nicht legal Cannabis anbauen darf (außer man ist ein landwirtschaftlicher Betrieb, der Nutzhanf mit quasi nicht-existenten THC-Werten anbaut und die dafür erforderlichen Genehmigungen hat), waren die Samen damit illegal.

Ist das Gesetz wirkungslos?

Als Einwohner Deutschlands hat man sich zunächst einmal natürlich auch an das deutsche Gesetzbuch und damit auch an das Betäubungsmittelgesetz zu halten. Doch gerade in diesem Fall wird es ein wenig undurchsichtig, denn in vielen Ländern Europas ist es vollkommen legal, Cannabis-Samen zu kaufen und auch zu verkaufen.

Nun haben wir allerdings zwischen den EU-Ländern die Wettbewerbsfreiheit und die besagt nun einmal, dass Warenverkehrsfreiheit herrschen müsse und nationale Handelshemmnisse nicht sein dürften. Streng genommen ist also das Gesetz, welches in Deutschland den Erwerb und den Besitz von Cannabis-Samen verbietet, obsolet. Aber Recht haben ist immer noch etwas anderes als Recht bekommen, und so muss man sich als Konsument und möglicher Käufer vorerst darüber bewusst sein, dass man durchaus bestraft werden könnte, wenn man mit Cannabis-Samen erwischt wird.

Ob es illegal ist, seine Hanfsamen über das Ausland – zum Beispiel dem Nachbar Holland – zu bestellen, darüber gibt es verschiedene Angaben. Während einige Rechtsanwälte davor warnen, bedenkenlos zu bestellen, gibt es zahlreiche Aussagen (unter anderem auch von der TAZ), die besagen: um für den Kauf von Cannabis-Samen aus dem Ausland belangt zu werden, müsste das Vergehen in beiden Ländern illegal sein. Der Zusatz der Samen in das BTMG sei eine Eigenheit, die man so explizit nur in Deutschland fände.
Prinzipiell gilt: will man die Hanfsamen nicht zum Eigenanbau nutzen, kann ihr Besitz auch nicht verboten werden. Und es gibt viele Gründe, die Samen zu kaufen, ganz ohne Anbau. Einfachstes Beispiel: viele alternative Kochrezepte nutzen Cannabis-Samen, um den Geschmack der Gerichte zu verfeinern.

Wie sicher sind die Online-Shops, in denen man Cannabis-Samen bestellen kann?

Sicherheit wird bei einem solch sensiblen Thema groß geschrieben. Viele der großen Samenanbieter brüsten sich damit, dass Eure Daten bei Ihnen vollkommen sicher seien und nicht – beispielsweise an Strafbehörden – herausgegeben würden.

Und doch gab es Fälle wie beim österreichischen Stecklingversand „Hanfstation“, wo nach einer Razzia durch Amtshilfegesuche die Kundendaten auch deutscher Kunden herausgegeben wurden, welches zu einigen Hausdurchsuchungen und Ermittlungen geführt hat. Vollkommen sicher kann man also wohl nie sein.

Doch die Online-Shops tun viel, damit man sich zumindest etwas sicher fühlen kann: ein breites Angebot an Zahlungsmöglichkeiten (Tipp: per Überweisung sollte man sich am besten sparen!) und ein diskreter Versand ohne Shopnamen oder andere Auffälligkeiten sorgen dafür, dass es recht unwahrscheinlich ist, die Cannabis-Samen im Umschlag als solche zu identifizieren. Trotzdem ist es wohl die sicherere Alternative, sich die Samen nicht nach Hause, sondern beispielsweise an ein Postfach senden zu lassen. Die meisten Shops machen das gerne und ohne Aufpreise.

In diesen Ländern ist der Cannabis-Samen Erwerb legal

Natürlich steht bei dieser Liste ganz vorne einer der Vorreiter in Sachen Cannabis, unser Nachbar Holland. Aber auch in der Schweiz und in Österreich darf man die Samen bedenkenlos erwerben, genauso wie im sonnigen Spanien (wo man Gras sogar in der eigenen Wohnung anbauen darf, da diese als „quasi“ unantastbar gilt).

Ähnlich wie in Deutschland sieht es in Frankreich aus: man darf zwar die Samen bestellen, aber man darf sie nicht anbauen, da dies per Gesetz verboten ist. Es muss aber bewiesen werden, dass der Empfänger sie zu illegalen Zwecken, also dem Eigenanbau, nutzen möchte – ein Aufwand übrigens, den man sich weder in Frankreich noch in Deutschland allzu häufig macht.

Selbst wenn man also erwischt wird, weil man sich beispielsweise Samen aus Holland bestellt hat, hat man nicht mit harten Strafen zu rechnen, in vielen Fällen wird das Verfahren eingestellt oder mit sehr milden Strafen belegt.

Will man also Cannabis-Samen kaufen, bewegt man sich je nach Land im Straftatbereich und sollte sich dessen auch bewusst sein. Alles kann gut gehen, aber hat man Pech, sind die Samen weg und ein Verfahren auf dem Weg.