Hanf

Hanf, die Wiederentdeckung einer jahrtausendalten Pflanze

Hanf, lateinisch Cannabis gehört zu den ältesten und wertvollsten Pflanzen der Welt und spielte über Jahrtausende eine wichtige Rolle in der Zivilisation der Menschheit. Die Wiederentdeckung der Hanfpflanze führte in den vergangenen Jahren zu einem wahren Boom an Produkten. Dabei ist das Potenzial des Hanfs noch lange nicht ausgeschöpft. Wir zeigen, welche Vielfalt in der Hanfpflanze steckten, wo der Hanf seinen Ursprung hat und was man mit der Wunderpflanze alles machen kann, abgesehen von einem Rausch.

Die Ursprünge des Hanfs liegen in der menschlichen Zivilisation

Archäologen datieren die ersten Spuren von Hanf auf die Zeit um 8000 v.Chr. Zu den ältesten Funden, die aus der asiatischen Region China und Taiwan stammen gehören Überreste aus Hanfschnüren, die in der Töpferei verwendet wurden. Hanf war schon immer eine wichtige Quelle als Lebens- und Heilmittel wie Aufzeichnungen aus China belegen. Bei der Betrachtung das die menschliche Landwirtschaft vor rund 10.000 Jahre ihren Anfang nahm liegt es nahe das die Hanfpflanze eine der ersten Nutzpflanzen in der Landwirtschaft der Menschheit war.

Die weltweite Verbreitung einer vielseitigen Pflanze

Aus den Bestandteilen der Hanfpflanze lassen sich viele Gegenstände des alltäglichen Lebens fertigen und so ist es auch kein Wunder, das sich die Pflanze im Laufe der Geschichte über die Kontinente verbreitete. In Asien, Afrika, Europa und Südamerika gibt es Hinweise auf eine frühe Nutzung in der Menschheitsgeschichte von Hanfmaterial die über Generationen hinweg aus Hanf Schuhe, Seile, Kleidung und Papier fertigten. Fast ebenso früh entdeckten Priester und Gelehrte Hanf als Rauschmittel wie aus mehreren alten religiösen Dokumenten ersichtbar ist. In den alten Religionen Persiens und Indiens wird Hanf auch als „Heiliges Gras“ oder „König der Samen“ bezeichnet.

Gesetzliche Verpflichtung zum Hanfanbau in den USA

Anfang des 17. Jahrhunderts fand die Hanfpflanze ihren Weg nach Nordamerika. Nach ihrer Einführung im Jahr 1606 wurde die Hanfpflanze schnell populär und viele Landwirte bauten Hanf für die Weiterverarbeitung von Papier, Lampenölen und Seilen an. Im 18. Jahrhundert wurden die Landwirte per Gesetz zum Hanfanbau verpflichtet, um die Verpflegung der Bevölkerung mit Nahrung sicherzustellen. Zu den populärsten Hanfbauern gehört George Washington der 1. Präsident der Vereinigten Staaten. Auf seiner Hanffarm in Mount Vernon baute er Industriehanf an. Washington war davon überzeugt das der Hanfanbau gewinnbringender als Tabak ist.

Chancen und Potenzial der Hanfpflanze

Die gravierendste Nebenwirkung des weltweiten Cannabis-Anbauverbots ist wahrscheinlich nicht einmal die Vergeudung des therapeutischen Potenzials von THC, sondern die Vernachlässigung des Hanfs als Nutzpflanze.

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Hanf ist nicht nur eine Pflanze mit derart vielen Anwendungsmöglichkeiten, dass es fast unglaublich erscheint. Sie birgt auch Antworten auf eine Vielzahl drängender ernährungs-politischer und umwelttechnischer Probleme. Nicht umsonst ist Faserhanf seit Jahrtausenden von so gut wie allen Kulturen intensiv genutzt worden; noch vor zweihundert Jahren wäre die Illegalität von Nutzhanfanbau weitaus absurder erschienen als eine Landung auf dem Mars.

Es spricht nicht gerade für die Kultiviertheit unserer eigenen Zivilisation, dass wir dieses Wundermittel aus ominösen politischen und wirtschaftlichen Gründen derart in die Vergessenheit geraten lassen. Doch nun ist die beste Zeit, dieses legislative Fehlurteil wieder gerade zu rücken.

Nicht nur sind die ersten Erfahrung mit der Legalisierung von THC-haltigem Cannabis etwa in den Vereinigten Staaten durchgehend positiv und gehen mit milliardenschweren Mehreinnahmen für den Staat einher. Auch viele weitere globale Probleme, für die die Hanfpflanze faszinierende Lösungsansätze bietet, sind nun an einem Breaking-Point angelangt.

Nutzhanf, auch als Faserhanf bezeichnet kann unter anderem (aber längst nicht nur):

• die drängende Energiekrise, ein Fremdwort im frühen 20. Jahrhundert
• die weltweite, dramatische Verschlechterung der Bodenqualität
• die Wasserverunreinigungen
• die Notwendigkeit, für entwickelnde Länder schnell und effizient nachhaltige Rohstoffe zu finden, mit denen sie auf ökologisch vertretbare Weise auf den „Entwicklungsstand“ der Industrienationen aufschließen können
• der Kahlschlag der Wälder und seine Konsequenzen für unsere CO2-Werte
• das endlich bewusst werdende Mega-Problem chemisch erzeugter Kunststoffe vor allem für die Meere

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Inwiefern der THC-freie Hanf eine zentrale Rolle beim nachheitlichen Meistern dieser weltweiten Herausforderungen spielen kann und welche ihrer Eigenschaften dies möglich machen – damit beschäftigt sich unser mehrteiliges Porträt dieser faszinierenden Pionierpflanze.

Anwendungsgebiete von Nutzhanf

Hanf in der Küche

Rezepte für die Hanf-Küche

Ob Hanfsamen, Mehl, Milch, Öl oder Blätter. Hanf als Grundnahrungsmittel gehören heute in jede aufgeschlossene und gesunde Küche. Die besten Rezepte zum Kochen mit Hanf.

Rezepte Hanf-Küche

Inhaltsstoffe und Wirkung von Hanf

Inhaltsstoffe und Wirkung von Hanf in Lebensmitteln

Hanf als Grundnahrungsmittel oder zur Nahrungsergänzung liefert wertvolle Mineralstoffe, Spurenelemente und Ballaststoffe. Nutzhanf enthält Protein und gesunde Fette.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Nutzhanf in der Landwirtschaft

Nutzhanf in der Landwirtschaft

Nutzhanf beantwortet so gut wie alle drängenden Rohstofffragen der Gegenwart. Er ist anspruchslos in Aussaat, Anzucht und Ernte und gibt dem Boden mehr zurück, als er ihm entzieht. Er versorgt Ackerfläche mit einem hohem und komplexeren Nährstoff, beugt vor Unkrautbildung vor und sorgt für eine gute Bodengare.

Landwirtschaft

Hanfstoffe

Hanfkleidung statt Baumwollkleidung

Textilien, die aus Hanffasern hergestellt werden, bieten unvergleichlich viele positive Eigenschaften. Bis 80% an Kleidung wurden in den 1920er Jahren aus dem strapazierfähigen und atmungsaktiven Hanfstoff gefertigt.

Textillien aus Hanfstoff

Papier aus Hanf

Papier aus Hanf statt Holz

Die Vorteile von Papier aus Hanf sind beeindrucksvoll. Im Beitrag erklären wir warum Verwendung von Hanfpapier eine echte Alternativ zum Holzpapier darstellt.

Papier aus Hanf statt Holz

Industriehanf ist ein wertvolles Material

Ökölogisch nutzbarer Industriehanf

Industriehanf rettet nicht die Wälder, Böden und die Atmosphäre sondern er kann auch vielfätig eingesetzt werden. Ob als Hanfpapier, Baumaterial, Treibstoff oder Kunststoffersatz. Industriehanf ist auch eine Energiequelle mit positiver CO2-Bilanz.

Materialien aus Industriehanf

Die Hanfpflanze: vielseitiger als ihr Image

Das Umweltbundesamt stuft die Hanfpflanze ausschließlich für den Einsatz als naturfaserverstärkter Kunststoff ein und damit in die Kategorie als ein nicht abbaubarer Kunststoff. Diese Sichtweise berücksichtigt nicht das der Aufbau der Hanfpflanze zu 75 Prozent aus Cellulose besteht, die sich vollständig biologisch abbaut. Nur Baumwolle mit 95 Prozent Cellulose liegt über der Hanfpflanze, erfordert aber ökologisch gesehen wesentlich mehr Ressourcen. Neben Kartoffel, Mais und Soja die einen wichtigen Bestandteil in der Versorgung der Menschen mit Nahrung spielen und deshalb nicht der Verarbeitung zu Biokunststoff dienen sollten, erscheint die Hanfpflanze die beste Alternative von Pflanzen zu sein.

Hanf, eine lange Tradition und Geschichte

  • 8.000 v. Chr .:In China und Taiwan fanden Archäologen Spuren von Hanf für die Verwendung von Töpferwaren und Lebensmitteln
  • 6000 v. Chr.: In China werden Hanfsamen und Hanföl als Nahrung genutzt
  • 3000 v. Chr. Archäologen fanden Pyramidentexte die die Seilherstellung auf Hanf beschrieben. Außerdem wurden Stücke des Hanfstoff im Grab des Pharao Echnaton gefunden.
  • 2.000 v. Chr. – 800 v. Chr .: Ein Text aus der hinduistischen Atharvaveda Wissenschaft bezeichnet Hanf als „Heiliges Gras“ und verleiht ihr den Status als eine von fünf heiligen Pflanzen Indiens
  • 600 v. Chr .: Hanfseil in Südrussland gefunden
  • 500 v. Chr .: Archäologen fanden in Brandenburg eine Urne mit Hanfsamen und Blätter.
  • 200 v. Chr .: Ein Hanfseil aus dieser Zeit wurde in Griechenland gefunden
  • 100 v. Chr .: China verwendet Hanf zur Herstellung von Papier
  • 700 v.Chr. Hinweise belegen das die Menschen in China und dem Nahen Osten erste wasserbetriebene Hanffabriken bauten
  • 800 Karl der Große erließ um 800 n. Chr. eine Landgüterverordnung, die auch den Hanf-Anbau regulierte.
  • 850: Die Wikinger nutzen Hanf und bringen die Pflanze nach Island
  • 900: Die Araber beginnen mit der Herstellung von Hanfpapier
  • 1455: Gutenberg druckte seine berühmte Bibel auf Hanfpapier
  • 1492: Kolumbus erreicht Amerika mit Schiffen deren Segeltücher aus Hanf gefertigt wurden
  • 1533: Der König von England Heinrich VIII.  erlässt Geldstrafen auf Bauern, die keinen Hanf anbauen
  • 1549: Die Cannabispflanze kommt nach Brasilien
  • 1608: William Shakespeare rühmt in seiner Tragöde Coriolanus die Qualität der Hanfstoffe aus Locronan
  • 1616: Die englische Siedlung Jamestown in Amerika baut Hanf an
  • 1700er Jahre: Amerikanische Bauern werden per Gesetz zur Hanfproduktion gezwungen
  • 1776: Entwürfe der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung werden auf Hanfpapier geschrieben
  • 1840: Präsident Abraham Lincoln verwendet Hanfsamenöl für seine Lampen
  • 1870: Levis Jeans werden aus hanfstoff hergestellt
  • 1910: Die Ansichtskarte “Moeurs Et Types Bretons – filant le chanvre” erscheint mit einem Motiv über das Hanfspinnen
  • 1916: Eine erste Studie in US-Amerika zeigt das Hanf viermal mehr Papier pro Fläche produziert als Bäume
  • 1937: Popular Mechanics schreibt einen Artikel darüber, wie Hanf in 25.000 verschiedenen Produkten verwendet werden kann und zeigt ein Milliarden-Dollar-Geschäft auf.
  • 1937: Der Zeitungsverleger William Randolph Hearst startete zusammen mit Chemie Unternehmen Dupont und dem US-Diplomaten Anslinger eine Hetzkampagne gegen Hanf mit dem Ergebnis des darauffolgenden späteren Hanf-Verbotes.
  • 1938: Die erste automatische Hanfschälmaschine wurde erfunden
  • 1942: Henry Ford konstruiert eine Karosserie aus Hanffasern die zehnmal stärker als Stahl ist
  • 1942: Das US-Programm „Hanf für den Sieg“ – führte zu einer Hanfproduktion von mehr als 37.500 ha
  • 1942: Die „Lustige Hanfbibel“ wird in Deutschland veröffentlicht, um den Hanf Anbau zu fördern
  • 1950er Jahre: In Europa existieren über 100 Cannabismedikamente um Beschwerden gegen Krämpfe, Asthma, Schlafstörungen, Schmerzen, Depressionen und Appetitlosigkeit zu behandeln
  • 1957: Aufgrund des Hanf-Verbotes werden in Wisconsin (USA) die letzten Hanffelder gepflanzt
  • 1970: Hanf wird in den USA als illegale Droge eingestuft
  • 1990er Jahre: die ersten Länder lockerten das Verbot zum Anbau von Nutzhanf
  • 1996: Auf Initiative von Jack Herer führte Kalifornien eine Volksabstimmung durch mit der Marihuana als Medizin zugelassen wurde
  • 1998: Hanfsamen und Hanföl haben sich erneut in den USA etabliert und Amerika beginnt mit dem Import von Samen und Öl
  • 2001: Die Europäische Union kürzt drastisch die Subventionen für den Hanfbau
  • 2004: Das 9. Berufsgericht (9. Circuit Court) in den USA entscheidet in einer Klage der Hemp Industries Association gegen DEA und schützt den Verkauf von Hanfnahrungsmitteln und Körperpflegeprodukten
  • 2007: Nach einem über 50-jährigen Verbot werden erstmals wieder Hanflizenzen für den Anbau in North Dakota erteilt
  • 2014: Obama unterzeichnet das historische Fünfjahresgesetz für landwirtschaftliche Betriebe das die Voraussetzung für Forschungseinrichtungen zum Hanfanbau schafft
  • 2015: In den USA wird das Gesetz über den industriellen Hanfanbau eingeführt. Ein erster Schritt, um eine vollständige Legalisierung des Hanfanbau zu erreichen. Im gleichen erklärt Präsident Obama das eine Entkriminalisierung befürwortet aber gegen eine Legalisierung von Freizeit-Cannabis ist
  • 2017: Eine Umfrage des führenden Markt- und Meinungsforschungsinstitut Gallup ergab das 64% der Bevölkerung in den USA für die Freigabe von Freizeit-Cannabis sind.
  • 2108: Kanada legalisiert den Konsum von Marihuana
  •  2018: unterzeichnet Trump das „Farm-Bill“ Gesetz. Mit dieser Änderung wurden die Hanfpflanze sowie alle ihre Samen und Derivate aus dem Gesetz über geregelte Substanzen entfernt.
  • 2018: Vermont als erster Staat in den USA legalisiert THC-haltiges Cannabis. Die Bezeichnung Freizeit-Cannabis entstand
  • 2018: Indiana und Kansas legalisieren CBD für jede Verwendung. Michigan legalisiert Freizeit-Cannabis
  • 2019: New Mexico, North Dakota, Illinois, Hawaii und Virginia legalisieren Freizeit-Cannabis

Das Comeback der Wunderpflanze

Nachdem das weltweite Verbot in den USA seinen Anfang nahm begann auch das Comeback der Wunderpflanze in den USA. Viele kleine Unternehmen und Handwerksbetriebe haben sich auf alte Traditionen besonnen und begannen mit der Herstellung von Hanffasern um daraus Kleidung und Textilien zu produzieren. Die Gesetzesänderungen in den Jahren zwischen 2007 bis 2015 führten zu einer explosionsartigen Nachfrage nach Hanf und insbesondere CBD-Öl. 2019 wurden über 125.000 ha für den Anbau von Hanf genehmigt. Auch bezüglich der Legalisierung von Freizeit-Cannabis waren viele Staaten in den USA ein weltweiter Vorreiter was dazu führte das inzwischen in etlichen Ländern der Welt der Konsum von Cannabis entkriminalisiert wurde und Cannabis als legale Droge konsumiert werden darf.

Hanfpflanzen in der Blüte

Hanfpflanzen – Pflanzenfamilie, Gattung und Arten

In der ursprünglichen botanischen Ordnung gehörten Hanf und Hopfen ursprünglich zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae).  Seit der Neuordnung der Rosenartigen (Rosales) gehören beide Pflanzen zur Pflanzenfamilie der Maulbeergewächsen (Moraceae).

 Gattung der Maulbeergewächse (Cannabisgewächse, Moraceae)

Der vielfältige Hanf (Cannabis) wird in drei Arten unterteilt. Dazu gehören:

  •  Cannabis sativa L, auch als gewöhnlicher oder echter Hanf bezeichnet (Linné 1737)
  • Cannabis indica L., auch als indischer Hanf bezeichnet (Lamarck 1783)
  • Cannabis ruderalis, auch als wilder Hanf bezeichnet (Janischewsky 1924)

Gemäß dem Integrierten Taxonomischen Informationssystem (ITIS) werden nachstehende Pflanzenbezeichnungen akzeptiert:

Cannabis L. akzeptiert: hemp
Cannabis indica Lam. nicht akzeptiert
Cannabis sativa L. akzeptiert: hemp, grass, hashish, Mary Jane, pot, marijuana
Cannabis sativa ssp. Indica (Lam.) E. Small & Cronquist akzeptiert: hemp, grass, hashish, Mary Jane, pot, marijuana
Cannabis sativa ssp. Sativa L. akzeptiert: hemp, grass, hashish, Mary Jane, pot, marijuana
Cannabis sativa ssp. sativa var. Sativa L. nicht akzeptiert: marijuana, hemp, grass, hashish, Mary Jane, pot
Cannabis sativa ssp. sativa var. spontanea Vavilov nicht akzeptiert: marijuana, hemp, grass, hashish, Mary Jane, pot
Cannabis sativa var. Sativa L. akzeptiert: marijuana
Cannabis sativa var. spontanea Vavilov akzeptiert: marijuana

Hanf ist eine einjährige Pflanze von hohem, krautartigem Wuchs deren Bestäubung über den Wind erfolgt. Abhängig vom Standort und der Art erreicht die Pflanze eine Höhe von bis zu 5 m.  Die Hanfpflanze ist diözisch (zweigeschlechtlich). Die weibliche Pflanze (Hanfhenne) hat einen kräftigen, dichten und verzweigten Wuchs und reift später. Die männliche Pflanze (Femelhanf) ist schwächer entwickelt. In seltenen Fällen entstehen Zwitterpflanzen. Erst im Stadium der Vorblüte wird ersichtlich ob die Pflanze männlich oder weiblich ist.

Anforderungen an den Boden

Hanf ist als Pionierpflanze kultivierbar und stellt keine großen Ansprüche an den Boden. Der Boden sollte tiefgründig, kalkhaltig, humos und stickstoffreich sein. Die Anforderungen für den pH-Wert liegen bei neutral bis leicht basisch. Hanf gedeiht sehr gut in nährstoffreichen Flusstälern oder im entwässerten Moorland. Für die Pflanze sind Böden mit anstauender Nässe, schwere Tonböden und arme Sandböden nicht geeignet. Die Pflanze hat einen hohen Wasserbedarf der in gemäßigten Zonen zwischen 307 und 381 mm/m2 liegt.

Klimatische Bedingungen

Am besten gedeiht Hanf im gemäßigten, feuchten Klima bei Temperaturen zwischen 13 bis 22 Grad Celsius. Die Pflanze verträgt auch höhere und niedrigere Temperaturen. Jungpflanzen überstehen auch leichten Frost bis zu -5 Grad Celsius. Der Anbau ist in der gesamten gemäßigten Zone, im Mittelmeerraum und in den Subtropen möglich.

Schädlinge

Tierische Schädlinge befallen die Pflanze nur selten. Die wichtigsten Schädlinge sind:

  • Aphidiae
  • Halticinae
  • Noctuiden
  • Ostrinia nubilalis
  • Tipula oleraceae

Wurzeln, Stamm, Blätter und Blüten

Wurzeln und Stamm

Hanfpflanzen bilden Pfahlwurzeln, die bis zu 40 cm lang werden und bis zu 2 Meter in das Erdreich wachsen können, wenn die Bodenbeschaffenheit dies zulässt. An der Pfahlwurzel bilden sich zahlreiche kräftig wachsende Seitenwurzeln. Der Spross hat eine eckige Form und ist vollständig mit Härchen und Drüsen besetzt wie auch der Rest der Pflanze mit Ausnahme der Samen und Wurzeln. Je älter die Pflanze wird umso mehr härtet der Stamm aus und ist gegen Ende der Reifezeit hölzern.

Blätter

Die Blätter der Hanfpflanze sind groß und handförmig. Ihre Farbe reicht von dunkelgrün auf der Oberseite bis blassgrün auf der Unterseite. Die Blätter setzen sich aus 1 bis 11, meistens jedoch 5 bis 9 gezahnten, schmalen lanzettförmigen Blattfingern zusammen und sind auf beiden Seiten mit Drüsen und Haaren besetzt. Auf der Unterseite und entlang der Blattadern liegen die Drüsen dicht beieinander. Die Drüsen sekretieren ein Harz, das bis zu 90 % aus Cannabinoiden sowie aus ätherischen Ölen, hochpolymeren Phenolen, Terpenen und Wachsen besteht.

Blüte

Die Blüten der männlichen und weiblichen Pflanze sind deutlich zu unterscheiden.

Männliche Hanfblüten
Die männliche Hanfpflanze hat einen schlanken Wuchs mit wenig Ästen und Blättern und bildet nur fünf hängende Staubblüten aus. Charakteristisch für männliche Blüten sind Pollensäcke die sich vereinzelte oder in Gruppen am Stamm bilden. Männliche Blüten bestehen aus fünf hängenden Staubblüten und ebenso vielen grünlichen Hüllblättern. Sobald die Blüten reif sind öffnen sich die Pollensäcke und mit Hilfe des Windes werden die weiblichen Blüten befruchtet. Die Vegetationsdauer der männlichen Pflanzen ist etwas kürzer als die der weiblichen Pflanze.

Weibliche Hanfblüten
Wie die männliche Blüte ist auch die weibliche in Rispen organisiert. Im Gegensatz zur männlichen Blüte sind die einzelnen, ungestielten Blüten dichter und bilden die Form einer Ähre. In der Botanik wird diese Form auch als Scheinähre bezeichnet. Besonders deutlich sichtbar ist dies bei Zuchtvarianten, die zur Gewinnung von Freizeit-Cannabis gezüchtet wurden. An den großen Blütenständen lässt sich die Ährenform gut erkennen. Bei weiblichen Hanf sind die Blütenorgane reduziert. Der Fruchtknoten ist von einem behaarten Kelch umgeben und darunter befindet sich das Tragblatt an dessen Ende die Blüten entspringen. Die weißlich gefärbten Narbenäste werden während der Reifezeit bräunlich. Bis zur Bestäubung produzieren weibliche Blütenstände große Mengen an Harz.

Blütenphase per Fotoperiodismus
Die Blütenbildung der Hanfpflanzen ist von der Länge des Tageslichts abhängig. Sobald die Tage spürbar kürzer und die Nächte länger werden beginnt die Blütenphase. Die Abhängigkeit der täglichen Hell-Dunkel-
Phase ist eine der wichtigsten Eigenschaften der Hanfpflanze und wird als Fotoperiodismus bezeichnet. Ohne den Fotoperiodismus findet bis auf die Ausnahme beim Ruderal-Hanf keine Blütenbildung statt. Beim bekannten Indoor-Growing wird die Blütenbildung künstlich durch eine Verkürzung der Lichtphase von 18 Stunden auf 12 Stunden eingeleitet. In der Freilandzucht beginnt die Blütenbildung ab 10 Stunden Dunkelheit.

Früchte

Die Frucht der Hanfpflanze ist eine einsamige Nuss. Alle oberirdischen Pflanzenteile, vor allem auf den weiblichen Pflanzen bilden Cannabis Harze aus. Besonders auf dem oberen Teil des Stengels und den Trag- und Kelchblättern besteht eine hohe und dichte Anzahl an Harzdrüsen die auch als Trichome bezeichnet werden. Die Trichome bestehen aus durchsichtigen, länglich gestielten Köpfen. Wenn die Pflanze rief ist verfärben sich die Trichome leicht bräunlich. Der klebrige Harz der Trichome wird auch als Haschisch bezeichnet. Hier befinden sich die meisten Cannabinoide mit einem hohem THC-Gehalt.

Aussaat und Aufzucht

Aussaat und Aufzucht

Da viele Hanfanbauern auch Hanf zum Zwecke der THC-Gewinnung anbauen unterscheiden wir bei der Aussaat zwischen Freilandanbau (Outdoor-Growing) wie er in der Landwirtschaft stattfindet und Innenanbau (Indoor-Growing) wie es in einigen europäischen Ländern legal ist.

Freiland-Anbau in der Landwirtschaft

Aussaat

Im gemäßigten Klimata wie in Deutschland ist die beste Zeit für die Aussaat ab Mitte März bis April wobei die Wahl der Sorte, der Anbauzweck (Faser- oder Samengewinnung) und auch die Region den optimalen Zeitpunkt mitbestimmen. Soll Samenhanf gewonnen werden empfiehlt das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau den Zeitraum zwischen Ende April und Anfang Mai für die Aussaat bzw. dann, wenn die Bodentemperatur über 8 Grad Celsius liegt. Gemäß der Empfehlung der Landwirtschaftskammer in Oberösterreich für Bio-Hanf sollte die Saattiefe zwischen 2-3 cm betragen und die Saatmenge 25kg pro Hektar.

Dünnung im Freiland

Für einen optimalen Wuchs benötigt Hanf zwischen 80 bis 100 Kg Stickstoff je Hektar. Hanf, der zur Gewinnung von Faserhanf angebaut wird, benötigt weniger Stickstoff als Hanf zur Samengewinnung. Die Hanfwurzel kann je nach Boden bis zu 3 Meter in die Tiefe wachsen. D.h. dass die Nährstoffe auch aus tiefergelegenen Schichten aufgenommen werden. Hierzu passt eine organische Düngung mit Gülle und Mist wodurch eine langsame Freisetzung des Stickstoffs erreicht wird und der Nährstoffbedarf optimal über die Wachstumsphase verteilt wird. Der beste Zeitpunkt für die Dünnung ist zur Aussaat oder bei Bildung der Zwischenfrucht.

Beikrautregulierung und Krankheiten im Freilandanbau

Die robuste Pflanze hat bis dato noch keine Ertragseinbußen aufgezeigt. Hanf ist selbstverträglich und Pflegemaßnahmen wie das Striegeln sind nicht nötig. Ein Anbauabstand von 3-4 Jahren wird jedoch empfohlen.

Sortenwahl und Förderung

In der europäischen Union sind 80 Hanfsorten der Untergruppe Cannabis sativa für die landwirtschaftliche Nutzung zugelassen. Alle zugelassenen Sorten weisen einen THC Wert von unter 0,2% auf.  Wenn die EU die bestehende Beschränkung für den THC Wert von 0,2% auf das internationale Niveau von 0,3% anpassen würde könnte die Anzahl der Sorten auf 500 ansteigen. Landwirte werden von der EU beim Anbau von Hanf gefördert.

Indoor-Aufzucht und Wachstumsphasen

Beim Indoor-Anbau spielt die Monatszeit keine Rolle da Temperatur und Licht künstlich geschaffen werden. Die Hanfpflanze hat ein 3 bis 4-monatiges Wachstum, das in die Keim-, Sämling- Vegetation und Blütenphase unterteilt wird. In entsprechender Umgebung keimt der Hanfsamen nach zwei bis drei Tagen. Am empfindlichsten ist die Sämlings Phase und in dieser Wachstumsphase sollte mit der Pflanze besonders vorsichtig umgegangen werden.

Vegetationsphase und Blütephase

Die Vegetationsphase beginnt mit erscheinen der ersten Blätter. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Cannabispflanze deutlich sichtbar zu wachsen und der Indoor-Grower sollte jetzt die Pflanze in einen ausreichend großen Topf (min. 5 Liter besser 10 Liter) umtopfen. Je nach Hanfsorte dauert die Vegetationsphase zwischen 4-8 Wochen bevor die Blütezeit beim Indoor-Grow eingeläutet wird. Entscheidend für die Einleitung der Blütephase ist wie gut die Pflanze ausgebildet ist und welche Höhe die Pflanze bis zur Ernte erreichen soll. Viele Cannabissorten entwickeln einen erneuten Wachstumsschub während der Blütephase und die Höhe verdoppelt sich bis zur Ernte. Um die Blütephase einzuleiten müssen sowohl die Lichtmenge als auch die Lichtfrequenz verändert werden. Während der Vegetationsphase benötigt die Pflanze Licht mit hohem Blauanteil  (Tageslicht) und einem Lichtspektrum zwischen mit 6000 – 6500k. Mit einleiten der Blütephase benötigt die Pflanze ein warmes Licht mit hohem Rotanteil von 2700k.

Optimale Bedingungen für die Wachstumsphasen bei der Indoor-Aufzucht

  • Für den Sämling sollte Anzuchterde verwendet werden
  • 18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkelheit während der Vegetationsphase
  • 12 Licht und 12 Stunden Dunkelheit während der Blütezeit
  • Ausreichend wässern (bis zu 1 Liter pro Tag). Aber nicht so dass sich das Wasser staut und die Pflanze ertrinkt
  • Mit Beginn der Wachstumsphase sollte die Pflanze mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden
  • Als Beleuchtung eigen sich am besten LED mit einstellbarem Lichtspektrum

Anbau von Nutzhanf - Industriehanf in Europa und deutschland

Herkunftsländer und Eigenschaften

Cannabispflanzen haben die bemerkenswerte Fähigkeit sich an ihre Umwelt anzupassen und deshalb gibt es auch verschiedene Herkunftsländer. Eine wesentliche Unterscheidung zwischen den Indica und Sativa Sorten ist die Anzahl der Cannabinoide und die Anzahl an phytochemischen Verbindungen, wie Terpenen und Flavonoiden. Wer mehr über die Unterschiede in der Wirkung erfahren will dem empfehlen wir den Beitrag über die Wirkung Sativa vs. Indica. Aus genetischer Sicht unterscheiden sich die Sorten kaum voneinander unterscheiden wie in mehreren Studien analysiert wurde.

Cannabis indica L.

Die kompakten stämmigen, dichten und stark duftenden indica-Sorten stammen aus Zentralasien und dem indischen Subkontinent – Afghanistan, Pakistan, Marokko, Libanon nördliches Indien, Tibet, Nepal. Die Blüten der indica wachsen in dichten Clustern und lassen auch zwischen den Clustern wenig Platz. Die Blütezeit liegt zwischen 45 und 60 Tagen. Während der Blühphase wächst die indica-Pflanze noch einmal zwischen 50-100%. Indica Sorten haben einen niedrigeren THC-Gehalt und einen höheren CBD-Gehalt. Indica Sorten haben eine deutlich spürbare Wirkung auf den Körper. Anwender sprechen hierbei von einer „Stoned“ Wirkung mit starker Beruhigung und Entspannung.  In der Medizin werden oft Indica-dominante Sorten verwendet.

Cannabis sativa L.

Sativas entstammen im Allgemeinen den äquatorialen Regionen – Thailand, südliches Indien, Jamaika, Mexiko, Kolumbien, Ecuador, Peru. Die Sativa Pflanzen und deren Blüten sind größer als indica. Die Blüten bilden sich längs der Zweige und sind im getrockneten Zustand leichter als indica Blüten. Der Geruch ist wesentlich weicher und nicht so markant. Die Blütezeit liegt zwischen 60 und 90 Tagen. Die Vegetationszeit der sativa ist jedoch wesentlich kürzer als die der indica. Zeitlich gesehen benötigen beide Sorten bis zur Ernte gleich viel Zeit. Das Höhenwachstum der Sativa während der Blütezeit legt noch einmal  zwischen 200 – 300% zu. Sativa haben einen hohen THC-Gehalt und einen niedrigen CBD-Gehalt. Sativa-Sorten machen „high“ und werden von Anwendern als zerebraler und energiegeladener Rausch beschrieben. Kreative Ideen und Lachanfälle sind eine typische Sativa Eigenschaft.

Hanfanbau in Deutschland und Europa

Samen- und Faserhanf enthalten nur geringe Mengen an THC und deshalb ist ihr Anbau in der europäischen Union seit dem 2.1.1996 gestattet. Hanfsorten, die keine Rauschwirkung entfalten dürfen, einen THC-Gehalt von 0,3 % im oberen Blattdrittel enthalten.

Im Europavergleich hängt Deutschland mit gerade einmal 575 Hanfbauern im Jahr 2019 deutlich hinter seinen Nachbarländern hinterher. Die hohen behördlichen Auflagen und ein kompliziertes Genehmigungsverfahren hält viele deutsche Bauern vom Hanfanbau ab. Im Jahr 2017 bewirtschafteten deutsche Bauern gerade mal eine Fläche von 1.600 Hektar.

Mit einer Fläche von 16.460 Hektar wird der meiste Nutzhanf Europas in Frankreich angebaut. Mit großen Abstand folgen die Niederlande (1.990 ha), Österreich (1.580 ha), Litauen (1470 h) und Rumänien mit 1450 ha. Seit Inkrafttreten des Farm Bill Gesetzes haben die USA ihre Hanfproduktion auf eine Fläche von 125.000 ha erweitert. Für Europa gibt es noch viel Platz nach oben.

Fazit und Zukunft

Es waren Menschen wie der 2010 verstorbene Hanf-Aktivist Jack Herer der das Potential der Hanfpflanze erneut erkannte und sich unermüdlich für die Legalisierung von Hanf einsetzten. Mit seinem Werk „Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf“, Original Titel „The Emperor Wears No Clothes – Hemp and The Marihuana Conspiracy“ erreichte er eine weltweite Aufmerksamkeit. Sein Werk und seine Aktivitäten leiteten eine weltweite Renaissance der Pflanze ein. Sensi Seed, einer der größten Anbieter von Cannabissamen benannte nach ihm eine der besten medizinischen Marihuana Sorte der Welt.

Hanfsamen fanden über einen langen Zeitraum lediglich als Vogelfutter Verwendung. Das eigentliche Potenzial des Hanfs als Grundnahrungsmittel wurde durch eine falsche Politik, die dem Hanf einen schlechten Ruf bescherte, lange unterdrückt.

Heute entdecken täglich neue Menschen Hanf und CBD und inzwischen sind es über 14% der US-Bevölkerung die Hanf und CBD-Produkte verwenden. In den USA ist eine Hanf- und Marihuana Industrie entstanden, die eine gute Zukunft für diese vorteilhafte Mehrzweckpflanze verspricht. Es ist zu erwarten das das Beispiel Amerika weitere Länder zur Hanfproduktion ermutigen wird.

Pathfinder