Legal High und die Cannabis GmbH

Legal HighDer Autor und Journalist Rainer Schmidt hat zwei immens lesenswerte Romane über die Freuden des Cannabis-Anbau und den Legalisierungs-Wahnsinn in Deutschland geschrieben: „Die Cannabis GmbH“ (erschienen 2014, inzwischen auch als Paperback im Handel) und „Legal High“, erschienen im August 2016.

Während die Cannabis GmbH den Weg des Growers Dude vom mittelständisch organisierten, ökologisch nachhaltigen Farmer und verantwortungsbewusstem Arbeitgeber bis in den Knast nachzeichnet, ist Legal High eine, wie der Verlag es beschreibt, beißende Gesellschaftssatire über die Gier und Doppelmoral auf unseren Fluren der Macht: „Deutschland 2018. Die Kanzlerin versteht die Welt nicht mehr: Plötzlich wird sie von allen Seiten bedrängt, Cannabis endlich zu legalisieren. Die Krankenkassen wollen damit Kosten für Medikamente sparen, Bauern und Wirtschaft wittern ein Milliardengeschäft, selbst die Kirche fordert eine Freigabe. Als die Kanzlerin die Legalisierung fürs nächste Jahr andeutet, beginnt in der Republik ein grüner Goldrausch. Die Gier macht aus Drogengegnern enthusiastische Cannabis-Befürworter. Nur der Dude ist deprimiert. Er sitzt im Gefängnis, weil er einst das beste Gras der Republik hergestellt hat – leider illegal. Frustriert sieht er, wie sich vor allem der Chemiegigant Meduk und der Energy-Drink-Hersteller Black Devil mit ihren Cannabis Produkten in Stellung bringen. Und auch die Motive der Kanzlerin scheinen nicht ganz selbstlos. Schnell wird klar: Das Rennen macht, wer den besten Stoff anbietet. Plötzlich kämpfen alle um sein legendäres Gras – und der Dude wird zum Spielball im großen Cannabis-Krimi.“

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Legal High

Anlässlich der Erscheinung seines neuesten Romans haben wir Rainer Schmidt ein paar Fragen gestellt. Wer Herrn Schmidt live sehen möchte, kann dies am 06.10.2016 im Literaturhaus in München und am 18.01. in der Stadt-und Regionalbibliothek Gera tun. Mehr Infos zum Autoren und seinen weiteren Büchern gibt es unter rainer-schmidt.org.

Rainer Schmidt

Rainer Schmidt Foto: (C) Dieter Eikelpoth

Interview mit Rainer Schmidt

Liquid News: Herr Schmidt, warum haben Sie sich Cannabis als Romanthema ausgesucht?

Rainer Schmidt: Das Thema Drogen und der heuchlerische Umgang mit ihnen in der Gesellschaft hat mich immer schon interessiert. Als ich dann durch Zufall einen Groß-Grasanbauer kennengelernt habe, der mir seine Geschichte erzählte, war klar, daraus mache ich einen Roman, daraus entstand „Die Cannabis GmbH“.

LN: Die Cannabis GmbH ist ja quasi eine belletristische Anbauanleitung, ein Businessplan für das Hanf-Start-Up, ein Handbuch für den zukünftigen Entre-Pot-Neur, sozusagen ein Codex Green. Ich denke da an schöne Auszüge wie “Für die ersten drei bis fünf Tage der Wurzelbildung wurden EC_Werte von 0,8 bis 1,2 empfohlen, für die folgenden zwei Wochen 1,1 bis 1,5 und für die letzte vegetative Phase bis zum Wachstumsstillstand nach Ausbildung der Blütenanlagen oder Fruchtansätze 1,3 bis 1,7.” Das ist jetzt nicht gerade Wikipedia-Pseudo-Grow-Knowhow, wie es in Legal High verspottet wird.

Die Frage ist nur: Wie eignet man sich dieses Wissen rein theoretisch an? Auf welche Quellen greift man zurück? Wie verifiziert man deren Zuverlässigkeit? Und kommt da auch mal ein Gesetzeshüter um die Ecke und sagt – hm, woher wissen Sie das alles eigentlich, Herr Schmidt????

RS: Das Wissen haben sich Menschen, mit denen ich ausführlich gesprochen habe, über Jahre sehr praktisch angeeignet. Sie mussten es mir nur noch erzählen. Weil ich keinen Fehler machen wollte, habe ich die technischen Passagen vor Drucklegung einem Berliner Fachmann, der in seinen Kreisen als absoluter Kenner geachtet wird, vorgelegt und überprüfen lassen. Sollte also alles stimmen 😉 Die Gesetzeshüter kamen noch nicht um die Ecke, aber die Bundestagsfraktion der Grünen, dazu später mehr…

LN: Beide Bücher, vor allem Legal High, springen zwischen sehr verschiedenen Milieus: Knast, hanseatischer Geldadel, Berliner Bundespolitiksumpf, dem groß-konzernigen Herz des Kapitals und seinen “Verbänden”…wie viel Recherche war noch nötig, um diese Mikrokosmen zu durchdringen? Oder war es eher so, dass Sie alle Blicke in die finsteren Abgründe unserer Republik, gesammelt in Jahren des Journalismus, endlich mal aus sich herausschreiben konnten?

RS: Haha, genau so war es, endlich durfte ich mal alles rauslassen! Mich haben immer schon unterschiedlichste Milieus interessiert, journalistisch und privat, deswegen ist es beides, jahrelange Erfahrung plus harte Recherche. Insbesondere die Knastwelt habe ich mir durch lange Erfahrungsberichte von Ex-Häftlingen extra für die Eingangskapitel ausführlichst schildern lassen, die war mir völlig neu.

LN: Während die Cannabis GmbH eine Biographie des Dudes und seiner Beziehungsgeflechte ist, mit viel Innenschau und durch die Hasch-Konstante ausgelösten emotionalen Komplexitäten, bietet Legal High eine beißende soziale Satire mit überzeichneten Charakteren. Cannabis ist hier die Lupe, durch die alle neo-liberalen Phantasmen und der politische Sumpf besonders deutlich zutage treten. Auch der Stream-of-Consiousess Stil der Cannabis GmbH ist in Legal High einem knackig-sarkastischem Duktus gewichen. Wie kam es zu dieser literarischen Evolution?

RS: In Cannabis GmbH dreht sich im Grunde alles um die Welt und Perspektive des Dude, das schlägt sich auch in der Sprache nieder. In Legal High bleibt der Dude wichtig, ist aber doch auch nur einer von vielen wichtigen Protagonisten, die gesellschaftliche Komponente spielt eine viel bedeutendere Rolle. Das muss sich auch in Form und Art der Sprache niederschlagen. Ich habe mich in den vergangenen Jahren viel mit Unternehmen, Managementkulturen und der seltsamen Rede und den herrschenden Phrasen in diesen Bereichen beschäftigt, mit dem irrationalen und unmoralischen, unverhohlen gierigen Verhalten der Banken und Wirtschafts-Lenker seit der Krise 2007/2008, und wahrscheinlich ist der „knackig-sarkastische“ Duktus eine direkte Folge davon….

LN: Waren die beiden Bücher so schnell hintereinander geplant? Hatte die plötzliche Bewegung in der politischen Landschaft, also der ab 2017 beschlossene, verstaatlichte Anbau, damit zu tun? Oder hat der Dude selbst einfach nach einer Fortsetzung verlangt, um nicht im Kittchen zu verschmoren?

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RS: Klar war, ich will darüber weiter schreiben. Als ich die ersten Monate seine Geschichten aus dem Knast hörte, war ich so beeindruckt, dass ich eine Zeitlang sogar an eine Fortsetzung dachte, die vor allem im Knast spielt. Ich traf andere Häftlinge aus anderen Bundesländern, fuhr Leute im Gefängnis besuchen, las alle Bücher zum Thema. Aber irgendwie war mir dieser Horizont dann doch zu begrenzt, zu bekannt, zu vorhersehbar. Angesichts der anschwellenden Diskussion um Modellversuche, Medizinal-Hanf und die positiven Ergebnisse aus den USA wurde mir klar, dass es spannend sein müsste, eine Welt zu entwerfen, in der die Bundesrepublik aus der verpönten Droge plötzlich eine Geldmaschine macht…

LN: In Legal High wird der Dude aus seiner Zelle ans Telefon bestellt, um einem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Grünen zwecks anstehenden Gesetzesentwurfes mal ein Rentabilitätsmodell des Cannabisanbaus aufzumachen, also ein genau aufgebröseltes Return-on-Invest einer “mittelgroßen Hanf-Anlage” – was er auch aus dem Stegreif und en Detail tut – einschließlich Kosten für Sekretärin, Büromaterial und Dünger. Dieses Gespräch hat wirklich stattgefunden – allerdings zwischen Ihnen selbst und einem Grünen, oder? Wie kam es dazu, wie haben Sie die gewünschten Informationen beschafft und was ist damit passiert?

RS: Korrekt. Der wissenschaftliche Mitarbeiter eines Grünen MdBs rief an und bat mich um Informationen: Wie teuer die Produktion eines Gramms Gras sei. Man müsse das wissen für einen Gesetzesentwurf, zur Bestimmung einer entsprechenden Steuer. Dass die Grünen, diese alte Kifferpartei, das nicht wussten, fand ich erschütternd. Nun gut. Ich fragte einen erfahrenen Berliner Grower, der das in 5 Minuten herunter spulte, weil er das seit JAHREN berechnet und mit sich herumträgt. Toll! Diese Infos, seine Infos, die ich weitergegeben habe, sind offensichtlich in den Gesetzesentwurf zum Cannabis-Kontrollgesetz der Grünen im Bundestag eingeflossen. Niemand soll also behaupten, Literatur habe keine Wirkung!

LN: In Legal High erhalten wir einen seltenen Blick in die Gehirnwindungen unserer (im Buch namenlos bleibenden) Kanzlerin: “So betrachtet war sie immerzu von Süchtigen umgeben…[schwerst Politikabhängigen], die tagaus, tagein die Republik irgendwie steuerten…Was wog dagegen das Treiben von so ein paar Kiffern? …Wer ihr Lehrstunden zum Thema Sucht geben wollte, den würde sie zur nächsten Fraktionssitzung einladen.” Glauben Sie, so denkt unser Staatsoberhaupt wirklich über Cannabis…und den sie umgebenden Apparat?

RS: Es gibt sehr interessante Interviews von führenden Politikern, oft solchen, deren Zeit vorbei ist, über den schweren Suchtfaktor Politik. Die Kanzlerin selbst wirkt ja immer eher nüchtern im Vergleich zu anderen auf diesem Level. Ich kenne Menschen, die regelmäßig beruflich mit ihr zu tun haben, die diesen Eindruck bestätigen. Ich würde mich nicht wundern, wenn sie Teile ihrer Umwelt genau so sieht – und sie eigentlich eine sehr rationale, un-hysterische Einstellung zu Cannabis hat, diese aber nie so äußern würde, weil sie weiß, wie das bei ihrer Klientel ankommt.

LN: In Legal High wird ein von der Kanzlerin als rührend aber unanalytisch eingestufter Wissenschaftler zitiert: “Wir wollen in dieser Gesellschaft keine Abhängigkeiten, weil das die Individuen lebensuntüchtig macht.” Viele Legalisierungs-Befürworter argumentieren stattdessen, dass Cannabis eine Myriade an Medikamenten und anderen Drogen, vor allem Nikotin und Alkohol, sanft und nebenwirkungslos ablösen und so die Befreiung aus der Umklammerung der Pharma- und Big Tobacco Konzerne bedeuten würde. Was denken Sie?

RS: Natürlich machen Abhängigkeiten Menschen lebensuntüchtiger, klar. Aber zum einen verhindert die Prohibition keine Abhängigkeiten, zum anderen gibt es wesentlich gravierendere und tödlichere Abhängigkeiten, siehe Alkohol oder Nikotin. Ob Cannabis uns jetzt auch gleich von den bösen Konzernen befreit, nun ja, keine Ahnung, das klingt mir jetzt auch zu romantisch und hoch gehängt. 

LN: Der Ehemann der Kanzlerin – fast meine persönliche Lieblingsfigur im Buch – sagt an einer Stelle: “Mir scheint, das hat durchaus auch eine historische Dimension, denn mit kiffenden Deutschen hätte es den zweiten Weltkrieg wohl eher nicht gegeben. Der aggressive Germane wäre fortan Geschichte.” Was für eine sagenhafte Vorstellung: Alle AfD-Wähler in jamaikanische Wolle gewickelt in die Arme demokratischer Gesinnung sinken zu sehen… aber ist da was dran? Würden wir uns das endlich, endlich mal als Volk entspannen, wenn Cannabis die Volksdroge #1 würde – vor allem in diesen Zeiten?

RS: Lustig, ich mochte den Mann an ihrer Seite während des Schreibens auch besonders gern. Jemand, der aus einer kühlen, distanzierten, aber doch besorgten Außenperspektive die Mechanismen der Macht aus nächster Nähe sehr differenziert und klar und uneitel zu betrachten weiß. Cooler Typ, eigentlich. Ich war zur der Zeit sehr fasziniert von dem Buch meines Freundes, des Autors Norman Ohlers, „Der totale Rausch“, über den Einsatz von Drogen in der Wehrmacht und bei Hitler. Deswegen erschien mir die Idee, Drogen nicht zur Beschleunigung der Blitzkriege, sondern zur Befriedung einer immer aggressiver wirkenden Gesellschaft einzusetzen, ein notwendiger, richtiger und zutiefst humaner Gedanke. Ich würde auf jeden Fall gerne mal sehen, was das für Auswirkungen hier hätte, auch und gerade bei AfD-Wählern…;)

LN: Sie sagen in einem Interview, Sie halten nichts von einer schrankenlosen Legalisierung des Cannabis, befürworten aber eine staatlich beaufsichtigte, regulierte Abgabe nach dem Modell verschiedener amerikanischer Bundesstaaten, allen voran Colorado. Glauben Sie nicht an die Selbstregulierung des Marktes und der Bürger, aber an die Weisheit des Staates?

RS: Selbstregulierung des Marktes? Ich bin überrascht. Das ist ja purer FDP-Sprech, habe ich so auch schon länger nicht mehr gehört. Jeder Schwarzmarkt ist ein sich selbstregulierender Markt, ist  das Ergebnis wirklich so attraktiv? Als Volkswirt weiß ich, dass es in fast jedem natürlichen Markt eben auch Marktversagen gibt, das nur durch den Rahmen eingedämmt werden kann. Etwa: Wenn man echten Verbraucher- und Jugendschutz will, auch und gerade bei Cannabis, braucht man strenge Regeln, an die sich alle halten müssen. Außerdem scheint mir ein regulierter Weg will leichter vermittelbar und daher politisch durchsetzbar. Deswegen sollte man doch die guten Erfahrungen aus den USA nutzen und darauf aufbauen.

LN: Könnte 2019 wirklich das Jahr der kontrollierten Legalisierung werden?

RS: Mh, okay, ich gebe zu, das ist in Legal High vielleicht etwas sehr optimistisch beschrieben. Aber warum sollte es nicht möglich sein, in der nächsten Legislaturperiode eine grundsätzliche Wende in der Drogenpolitik weiter zu forcieren, das halte ich schon für wahrscheinlich!

LN: In den Vereinigten Staaten hat die Cannabis-Legalisierung für viele Menschen tatsächlich die in Legal High beschworene “ökonomische Wende” gebracht – die Hanf-Branche bietet dort Tausenden ungelernter Langzeitarbeitsloser Beschäftigungsmöglichkeiten. Könnte das auch in Deutschland politisches Argument sein?

RS: Ich finde, das sollte unbedingt ein Argument sein, plus die erheblichen Steuereinnahmen, plus die teilweise Austrocknung der Schwarzmärkte, plus der Tatsache, das doch praktisch alle befürchteten negativen Folgen eben nicht eingetreten sind.

LN: Zweimal gibt in Legal High Anspielungen auf den Zustand Deutschlands 1914, kurz vor dem ersten Weltkrieg. Das fällt auf, in einem Buch, das ansonsten unverrückbar im Jetzt verankert ist… sehen Sie Parallelen zwischen der damaligen und der heutigen Gesellschaftsatmosphäre – zunehmender Nationalismus, Erstarkung der politischen Rechten etc.? Könnte Cannabis da, auf eine wie auch immer verschwurbelte Art und Weise, ein Auflösungsmoment bieten?

RS: Das hat wahrscheinlich sehr mit meinen persönlichen Interessen zu tun. Der Erste Weltkrieg sowie die Weimarer Republik haben mich immer schon sehr interessiert. Man muss mit historischen Vergleichen immer sehr, sehr vorsichtig sein, aber natürlich finde ich das spürbar wachsende Aggressionspotential, die steigende Gewaltbereitschaft und das Erstarken der Rechten auf breiter Front extrem beunruhigend und verstörend. Übrigens ebenso verstörend wie die Beschreibung der Zustände in deutschen Knästen und der Bedeutung der landsmannschaftlichen Zugehörigkeiten dort, das klingt wirklich wie aus einem anderen Jahrhundert –  ist aber Realität.

LN: Wenn einem Autoren, wie Ihnen, im Zuge seiner Recherche das Umsatzpotenzial und die Erotik weedigen Marketings klar wird…meldet sich dann nicht irgendwann die Versuchung, selbst mit aufzusteigen auf diesen offensichtlich herandonnernenden Goldtransporter?

RS: Na klar! Mitten in den Recherchen war ich schon soweit, dass ich regelmäßig nach Cannabis-Aktien Ausschau gehalten habe, aber das wirkte alles sehr, sehr instabil, schlimmer als einst am Neuen Markt. Doch selbst seriöse Anlegermagazine untersuchen immer ernsthafter das finanzielle Potential des Cannabis weltweit und geben Tipps in diese Richtung. Irre. Sollte ich mal Geld über haben, werde ich diesen Bereich auf jeden Fall weiter untersuchen ;).

LN: Demnächst werden Sie leitender Redakteur des “Frankfurter Allgemeine Quaterly”, das als vierteljährliches Magazin ab Herbst 2016 erscheint – und sich vor allem “einkommensstarken Lesern und Leserinnen” verschrieben hat (zu einem stolzen Preis von 12 Euro, also etwa dem Preis-Äquivalent von anderthalb Gramm gutem Hasch). Damit bedienen Sie genau die Zielgruppe des “Dude-Tresor”, des “vollautomatisierten, App-gesteuerten Gerätes zum sorgenfreien Heimanbau in Kühlschrankgröße”, mit dem der Dude sein großes Comeback erleben wird und in Legal High jenes Happy End findet, das ihm in der Cannabis GmbH versagt war.

LN: Können Sie sich vorstellen, eines Tages im neuen FAQ doppelseitige Anzeigen für Grow-Anlagen der absoluten Luxusklasse für Styler zu schalten? Oder werden diese immer eher auf fertige Produkte zurückgreifen – wie etwa die in Legal High entworfene Action-Bullet, um nicht “wie ausgeleierte Puddingbrumsel breit durch die Gesellschaft zu rollen”?

RS: Zum Glück gibt es ja bei einem ehrwürdigen Unternehmen wie der FAZ, für die ich das neue Magazin mache, eine strikte Trennung zwischen Anzeigenabteilung und Redaktion, und diese Trennung wird sehr ernst genommen. Deswegen habe ich mit den Anzeigen-Schaltungen nichts zu tun. Sollte aber die Legalisierung kommen, wäre ich der erste, der sich über solche Luxusanzeigen für High-Tech-Grow-Anlagen oder artverwandte Produkte freuen würde. In unserem Dummy gab es übrigens einen Bericht über ein amerikanisches Start-Up-Unternehmen, das tatsächlich an so einer vollautomatischen Growanlage arbeitet. Raten Sie mal, wer den Artikel geschrieben hat…?

LN: Mir gefällt, dass sich der Dude schlussendlich mit einem DIY (wenn auch nicht Open-Source) Konzept den Monopolisierungsbemühungen der Konzerne entgegenstemmt – das aber Ihre eigene Überzeugung untergräbt, Hanf dürfe nur unter staatlicher Aufsicht angebaut, vertrieben und konsumiert werden, oder?

RS: Nein, nein, wenn der Dude das macht, geht alles! Im Ernst: Ich glaube, die kontrollierte Abgabe in staatlich lizensierten Läden von in lizensiertem Anbau produziertem Gras sollte der erste Schritt sein. Aber langfristig muss und wird es Regeln zum Heimabbau geben, und da wäre so eine High-Tech-Kiste vom Dude, die einwandfrei nicht auf Handel, sondern Eigenbedarf setzt, doch der richtige, stylishe Weg für die kleine Plantage daheim!

Die Cannabis Gmbh

Die Cannabis GmbH von Rainer Schmidt

LN: Legal High endet mit einem Telefonat von Deutschlands mächtigster Pharmaindustriellen im Kanzleramt, um für die Legalisierung optimierten Kokains zu werben. Das wäre dann sozusagen die marktwirtschaftliche Variante des “Gateway-Syndroms”. Glauben Sie tatsächlich, die Cannabis-Legalisierung könnte auch der Entkriminalisierung anderer Drogen den politischen Teppich ausrollen?

RS: Politisch vermittelbar ist die Abschaffung der Prohibition derzeit wohl maximal für Cannabis, und selbst das wird noch einige Zeit bei uns dauern. Gute Erfahrungen mit einer Legalisierung von Cannabis würden aber vielleicht das Diskussions-Klima verändern. Die wenigsten Deutschen wissen ja, dass Kokain und Heroin einst hierzulande legal waren und sogar als Exportschlager galten.

Die rationalen Argumente sprechen für eine sehr offene Diskussion: Der konservative Superökonom Milton Friedman hat schon vor Jahrzehnten die Freigabe aller Drogen gefordert, um genau die Folgen zu verhindern, unter denen später und mittlerweile seit vielen Jahren vor allem lateinamerikanische Länder wie Mexiko massiv leiden. Wir reden über zehntausende Tote und durch Drogen völlig zerrüttete, unterwanderte, komplett korrumpierte Gesellschaften.

Wenn in solchen Regionen die Prohibition nicht abgeschafft wird, wird sich nichts ändern. Also gäbe es gute Gründe, auch über radikale Schritte nachzudenken. Selbst Ex-Uno-Generalsekretär Kofi Annan hat erst vor ein paar Monaten erklärt, dass der War on Drugs gescheitert sei und man sich dringend nach neuen Wegen umschauen müsse. Wer weiß, vielleicht erleben wir ja noch einmal eine echte Zeitenwende…?

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