Macht Kiffen dumm und klein?Macht Kiffen dumm und klein?

In den letzten Jahren haben Forscher und Wissenschaftler rund um den Globus ihren Fokus auf die Erforschung von Cannabis gerichtet. Zum einen geht es bei diesen Untersuchungen und Studien um die möglichen Heilkräfte von Cannabis im medizinischen Bereich, zum anderen aber auch um die Auswirkungen von „privatem“ Cannabis-Konsum auf Körper und Entwicklung.

Nachdem vor drei Jahren eine Studie aus Neuseeland mit ihrem Ergebnis, dass Kiffen dumm mache, für einige Furore gesorgt hatte, kommt nun ein Team von Wissenschaftlern aus Pakistan zu dem Schluss, dass frühzeitiger Cannabis-Konsum sich negativ auf das Wachstum auswirken könne.

Kiffen in frühen Jahren kann das Wachstum beeinträchtigen

Die Studie der Pir Mehr Ali Shah Arid Agriculture University in Rawalpindi, Pakistan, wurde unter 440 Jugendlichen zwischen 13 – 15 Jahren durchgeführt, etwa die Hälfte davon kiffte regelmäßig (mehr als einmal pro Woche).

Untersucht wurde hauptsächlich der Hormonhaushalt und die Ergebnisse waren überraschend: nicht nur wurden höhere Konzentrationen des Stresshormons Cortisol gefunden, es fiel auch auf, dass die Menge der Wachstumshormone deutlich niedriger ausfiel als bei den nicht-kiffenden Teilnehmern. Insgesamt war der Hormonhaushalt sehr durcheinander, was bei den kiffenden Jugendlichen zu einem früheren Einsetzen der Pubertät führte.

Auf gut deutsch bedeutet das zum einen, dass Kiffen gar nicht so entspannend ist, wie es gerne behauptet wird und zum anderen, dass Kiffen in frühen Jahren das Wachstum hemmen kann.

Eine Anschlussstudie mit 20-jährigen Kiffern zeigte, dass diese rund 10 Zentimeter kürzer und um die 4-5 Kilo leichter waren als ihre gleichaltrigen nicht-kiffenden Altersgenossen.

Die leidige Diskussion, ob Kiffen dumm macht

2012 wurden die Ergebnisse der neuseeländischen Dunedin-Gesundheitsstudie veröffentlicht und sorgten für ziemliche Aufregung unter Kiffern und Cannabis-Gegnern. Bei der Studie wurden 1037 Neuseeländer von ihrer Geburt an 38 Jahre lang begleitet. Regelmäßige IQ-Tests gehörten genauso zur Studie wie genaue Angaben über Drogenkonsum.

Laut den Auswertungen der Wissenschaftler ergab sich, dass wer schon vor der Vollendung der Volljährigkeit regelmäßig kiffe, bis zum 38. Lebensjahr rund 8 IQ Punkte unter dem Wert von Nicht-Kiffern liege. Regelmäßig bedeutete in diesem Fall mehr als einmal die Woche. Natürlich schlug die Studie ein wie eine Bombe und wurde besonders von Cannabis-Gegnern dafür genutzt, die eigenen Argumente zu untermauern.

Doch ganz so eindeutig sind die Ergebnisse nicht, wie ein norwegischer Forscher etwa ein Jahr nach der Veröffentlichung der Studie anmerkte. Denn die Studie lasse einen Aspekt (wissentlich?) aus: den sozioökonomischen Status des Studienteilnehmers.

Ole Rogeberg bringt an, dass Kinder, die aus wirtschaftlich schlechter aufgestellten Familien mit hoher Arbeitslosigkeit stammen, in vielen Fällen nicht nur zu Marihuana greifen, sondern auch seltener Zugriff auf ein stimulierendes Umfeld haben, welches die Intelligenz weiterentwickle.

Auch komme es in solchen Fällen häufiger vor, dass die Schule geschmissen wird und somit kein neuer „Input“ kommt. Im Klartext: Nicht das Kiffen an sich ist am IQ-Verlust schuld, sondern die sozialen Umstände.

Rogeberg stellt zudem fest, dass dieser IQ-Verlust nicht endgültig sein muss. Durch eine Änderung des Lebensstils, zum Beispiel durch das Finden eines festen Jobs, dem Weglassen des Cannabis-Konsums und ähnlichem könne man die verlorenen IQ-Punkte durchaus wieder „zurückgewinnen“. Wären es die toxischen Eigenschaften, die für eine Verdummung sorgen, wäre dies wahrscheinlich eher nicht möglich.

Auf die Anwürfe von Rogeberg reagierten die Neuseeländer mit einer Pressemitteilung, in der sie verlautbaren ließen, dass man, selbst wenn man nur Studienteilnehmer aus der Mittelschicht analysieren würde, auf das gleiche Ergebnis käme.

Es ist durchaus möglich, dass exzessiver Cannabis-Konsum dazu beitragen kann, dass man sich kognitiv nicht unbedingt weiterentwickelt und sein volles Potenzial ausschöpft, es spielen aber – wie immer bei Drogen – zu viele Faktoren mit hinein, als dass man zu einem eindeutig belegbaren Urteil gelangen könne.

Die eigene Psyche, das soziale Umfeld und die Lebensumstände spielen gerade beim Drogenkonsum eine extrem große Rolle, sodass man die Studien hierzu immer mit einem prüfenden Auge interpretieren sollte.

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